Vielleicht ein wenig wie du – belki biraz senin gibi

ist eine interdisziplinäre, multilinguale Kunstaktion, die im öffentlichen Raum stattfindet. Mitten im Stadtviertel beginnen kulturell unterschiedliche Protagonist*innen unabhängig voneinander in ihrer Muttersprache aus ihrem Leben zu erzählen. Während der Performance wachsen die Protagonist*innen immer mehr zusammen. Zentral sind dabei Gegenstände, die sie an die erzählten Lebensgeschichte erinnern.

 

Das Projekt ermöglicht Kunstschaffenden, deren familiäre Wurzeln in anderen Ländern liegen, in ihrer Muttersprache ihrer künstlerischen Identität Ausdruck zu geben. Der öffentliche Raum wird von allen Bürger*innen frequentiert, somit haben alle die Möglichkeit an der Kunstaktion teilzuhaben. Das gemeinsame Erleben und Mitfühlen ermöglicht den Performenden und Zuschauenden einen Moment des Zusammenseins. Eine Performance in der eigenen Muttersprache zu erleben schafft ein Gefühl von Zugehörigkeit und Wertschätzung.

 

Das Projekt richtet sich an ein breites Publikum und an Künstler*innen verschiedener Sparten. Die interdisziplinäre Performance bietet eine Identifikationsfläche und stärkt den Zusammenhalt einer heterogenen Gesellschaft. Wir sind alle Menschen, zwar mit unterschiedlichen Lebensrealitäten – aber alle mit Gefühlen und dem Wunsch gehört und verstanden zu werden. Das Projekt soll ermutigen aufeinander Acht zu geben, gegenseitiges Verständnis aufzubringen und Unterschiedlichkeit als Zugewinn für die Gesellschaft zu verstehen.

Die Idee – Fünf Gegenstände aus fünf unterschiedlichen Leben bekommen in einem Wohnwagen ein gemeinsames Zuhause, einen Ort, der Sicherheit gibt, an dem Lebensgeschichten existieren dürfen. Eine Analogie zu unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation, in der Menschen aus ganz unterschiedlichen Teilen der Erde hier in Deutschland ein neues Zuhause und eine neue Heimat finden sollen. Unsere Gesellschaft ist seit jeher im stetigen Wandel; wir begreifen sie als einen vielseitig gestaltbaren Ort. Sie kann Raum für Individualismus und Raum für Gemeinsamkeit bieten.

 

5 Gegenstände – 5 Sprachen – 5 Geschichten.

Geschichten, die uns im Alltag verborgen bleiben.

Geschichten, die uns für einen kurzen Moment inne halten lassen.

Geschichten, deren Worte wir vielleicht nicht verstehen und die uns dennoch bewegen.

Geschichten, die uns für einen Moment zusammenwachsen lassen.

Geschichten, die eine Gemeinsamkeit haben: Ein Gegenstand, der die Geschichte aus dem Leben eines Menschen erzählt.

 

Stadtzentrum: Hier tummeln sich täglich tausende Menschen. Geschäftsreisende, Angestellte der Stadtreinigung, Wohnungslose, Straßenkünstler*innen, Schüler*innen und viele mehr. Jeder dieser Menschen trägt hunderte persönliche Geschichten mit sich, die gemeinsam die eigene Lebensgeschichte bilden. Eine solche Lebensgeschichte lässt sich auf unzählige Arten erzählen. Man kann sie chronologisch runterbeten, man kann sie an Erfolgen messen oder an einschneidende Schicksalsschläge knüpfen. Viel zu oft werden diese Lebensgeschichten jedoch gar nicht erzählt.
Wie viele Geschichten bleiben uns dadurch verborgen und was verpassen wir? Denn es sind genau diese Geschichten, die Raum für Identifikation schaffen und uns als Gesellschaft zusammen wachsen lassen können. Wir alle unterscheiden uns in Herkunft, sozialem Status, persönlichen Werten und individuellen Wünschen, aber eines haben alle Menschen gemeinsam: Sie fühlen. Sie lieben, sie leiden, sie trauern, sie zermartern sich den Kopf, sie lachen und sie erfreuen sich. Diese Gefühle sind das, was uns als Menschen ausmacht und das, was uns miteinander verbindet. Streetart ermöglicht auf diese Weise einen Moment der Gemeinsamkeit, der uns ein Stück näher zusammen wachsen lässt.

 

In fünf verschiedenen Sprachen (griechisch, türkisch, bosnisch, italienisch, polnisch und deutsch) werden fünf Lebensgeschichten auf die Bühne, in den öffentlichen Raum gebracht. Im Rahmen der multilingualen Performance verdeutlicht sich, dass es nicht immer möglich ist, unser Gegenüber auf Anhieb zu verstehen. Dennoch können wir die Entscheidung treffen verstehen zu wollen. Wir können zuhören, wir können hinsehen, wir können spüren. Wir brauchen nicht jedes Wort, jede Haltung, jede Lebensentscheidung, jede Norm und jeden Wert zu verstehen, um uns mit unserem Gegenüber zu verbinden. Gegenseitiger Respekt, entgegengebrachte Toleranz und Rücksichtnahme helfen uns zu einem stärkeren und solidarischerem gesellschaftlichen Miteinander. Die Gemeinsamkeit der unterschiedlichen Lebensgeschichten besteht darin, dass alle Geschichten durch einen – von Erinnerungen geprägten – Gegenstand erzählt und belebt werden. Die Gegenstände, welche die Lebensgeschichten beherbergen und somit eine Art Porträt abbilden, werden im Rahmen des Projekts ausgestellt. Für die Ausstellung im öffentlichen Raum wird ein Wohnwagen mitten in die Stadt gestellt. Der Wohnwagen schenkt den Gegenständen ein Zuhause an einem temporären Standort.

 

Umsetzung

Für das Projekt wird ein gebrauchter Wohnwagen gekauft, welcher in einer der drei Städte (Aachen, Bergkamen und Dortmund) an einem zentralen, gut belebten Ort aufgestellt wird. Pro Stadt verweilt der Wohnwagen eine Woche. Inner-halb dieser Woche wird der Wohnwagen jeweils von eine*r Künstler*in vor Ort gestaltet, sodass ein direkter Austausch zwischen Künstler*in und vorbeilaufenden Menschen möglich ist. Nachdem der Wohnwagen fertig gestaltet ist, kann dieser für alle kostenlos zugänglich betrachtet werden. Im Rahmen eines abschließenden Aktionstages findet über den Tag verteilt zwei Mal die multilinguale Performance statt. Zudem wird ein Workshop für Kinder und Jugendliche angeboten, indem sich die Teilnehmenden gemeinsam mit einer Fotografin und Schauspielerin mit ihrer eigenen Lebensgeschichte auseinandersetzen.

Am Ende der Woche reist der Wohnwagen wieder ab und macht sich auf den Weg in die nächste Stadt. Somit wandert der Wohnwagen ganz nach dem Motto: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ mit den Gegenständen im Gepäck weiter und teilt bewegende Lebensgeschichten im öffentlichen Raum.

 

Zeitplan

Aachen: 22. bis 27. August 2022
(Performance am 27. August 2022)

Dortmund 29. August bis 3. September 2022
(Performance am 3. September 2022)

Bergkamen: 5. September bis 8. September 2022
(Performance am 8. September 2022)

 

Förderer

Das Projekt wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Diversitätsfonds NRW, vom Förderfonds Interkultur Ruhr, vom NRW KULTURsekretariat Wuppertal, dem Kulturbüro Dortmund, dem Kulturbetrieb der Stadt Aachen und dem Kulturreferat der Stadt Bergkamen.

 

 

Die Projektpartner*innen

Aylin Duman ist Schauspielerin, Sozialarbeiterin und Kommunikationstrainierin. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten liegt in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Sie hat in verschiedenen pädagogischen Einrichtungen unterschiedlichste künstlerische Projekte mit Kindern und Jugendlichen umgesetzt. Seit 2016 wirkt sie in dem von ihr gegründetem Ensemble „Das Theaterbüro“ als Schauspielerin, Regisseurin und Projektleiterin. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Elena Kristin Boecken, Schauspielerin und Gründungsmitglied des Ensembles, setzte sie im Schaffenskreis Aachen bereits viele spannende Bühnenprojekt um. Unter anderem auch das Langzeitprojekt „furious females“.

Weitere Informationen unter: www.das-theaterbuero.de

 

Iris Wolf arbeitet als freie Fotografin und Künstlerin. Gesellschaft und Kunst sind ihre inneren Motoren, die sie antreiben. Ihre künstlerischen Projekte, die Partizipation und Kunst im öffentlichen Raum in den Mittelpunkt stellen, ermöglichen ihr eine Mitgestaltung an Gesellschaft. Iris Wolf arbeitet u.a. mit Museen, Komunen und Vereinen zusammen und entwickelt Konzepte, die im gesellschaftspolitischen Kontext eine Rolle spielen. Seit 2015 hat sie die Initiative Selfiegrafen gegründet, die kulturelle und politische Bildung für diverse Gruppen erfolgreich entwirft und umsetzt.

Weitere Informationen unter: www.iriswolf-fotografie.de und www.selfiegrafen.de.

Ein Gemeinschaftsprojekt von:

Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, vom Förderfonds Interkultur Ruhr und vom NRW KULTURsekretariat Wuppertal

NRW KULTURsekretariat Wuppertal

Mit Unterstützung vom Kulturbüro Dortmund, vom Kulturbetrieb der Stadt Aachen und vom Kulturreferat der Stadt Bergkamen.

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